HANNAH ARENDT

HANNAH ARENDT

Kultursaal Obersdorf

04 Dezember 2013 20:00

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Hannah Arendt, die sich selbst nie als Philosophin, sondern als politische Theoretikerin verstand, beeinflusste mit ihrer Arbeit "Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft" den geschichts- und politikwissenschaftlichen Diskurs nach dem 2. Weltkrieg. Eine wesentlich breitere Öffentlichkeit erzielte allerdings ihr Buch "Eichmann in Jerusalem". Der von ihr im Untertitel geprägte Begriff der "Banalität des Bösen" und ihre kritische Einschätzung der Rolle der Judenräte während des Holocaust lösten einen Sturm der Entrüstung aus.

Margarethe von Trottas Filmbiografie konzentriert sich auf diese Episode im Leben der deutsch-amerikanischen Denkerin. HANNAH ARENDT beginnt mit der Entführung Adolf Eichmanns durch Mossad-Agenten im Jahre 1960. Hannah Arendt, die mit ihrem Mann Heinrich Blücher in New York lebt und am Brooklyn College unterrichtet, bietet dem Magazin "The New Yorker" an, über den Eichmann Prozess in Jerusalem zu schreiben. Doch erst nach zwei Jahren intensiver Gedankenarbeit, akribischer Recherchen und vielen Debatten mit ihren Freundinnen Mary McCarthy und Lotte Köhler und mit Heinrich Blücher liefert sie ihr Manuskript ab. "Eichmann in Jerusalem" löst einen Skandal aus, Freunde wie der Philosoph Hans Jonas wenden sich von ihr ab, sie erhält Drohbriefe und sieht sich mit dem Ende ihrer akademischen Karriere konfrontiert. Doch Arendt hält an ihren scharfen Analysen fest.

Mit HANNAH ARENDT gelingt Margarethe von Trotta ihr bislang zwingendstes, überzeugendstes und dichtestes Frauenporträt. Wie schon in "Die bleierne Zeit", "Rosa Luxemburg" und "Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen" spielt Barbara Sukowa die Hauptrolle. Die Herausforderung, "eine Denkerin zu spielen und ohne Worte viel zu sagen" (Sukowa) meistert sie dabei bravourös. Durch die Konzentration auf die Jahre des Eichmann-Prozesses und seiner Folgen für Hannah Arendt vermittelt der Film die bedeutendste politische Theoretikerin des 20. Jahrhunderts auch als Person in all ihren Facetten und wirft ganz nebenbei einen Blick auf das jüdisch-intellektuelle Leben im New York der 1960er-Jahre.

 

Regie:Margarethe von Trotta
Deutschland 2012, 113 Min
englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln
empfohlen ab 16 Jahren
© Filmladen Filmverleih 

Mit: Barbara Sukowa, Axel Milberg, Julia Jentsch, u. a.

 

Eintritt

6 Euro
5 Euro für Mitglieder, Jugendliche, Präsenzdiener, Studenten